Angebaut wird Hopfen in Europa vor allem in Tschechien und Deutschland. Kaum eine andere Zutat zeigt so deutlich, wie schnell der Klimawandel jahrhundertealte Gewissheiten der Landwirtschaft durcheinanderwirbeln kann, denn Hopfen ist enorm witterungsanfällig. Das führt schon jetzt immer häufiger zu Ernteausfällen und Versorgungsschwankungen. Seit Mitte der 90er Jahre sinken die Erträge kontinuierlich und die Reife beginnt heute rund 20 Tage früher als noch 1994. Schuld ist das immer wärmere, trockenere Klima. Bis 2050 könnte der Hopfenanbau in Europa deshalb um bis zu 18 % zurückgehen. Damit steht auch der traditionelle Geschmack mancher Biermarken auf dem Spiel. Denn es gibt zwar schon klimatolerante neue Sorten, doch gerade die altbewährten, traditionellen Hopfensorten können dem Klimawandel nicht standhalten.
Weniger Alphasäure, mehr Anbauflächen
Es wird nicht nur weniger Hopfen geerntet, auch der Anteil der Alphasäure im Hopfen sinkt. Sie zählt neben den Aroma-Ölen zu den wichtigsten Bestandteilen des Hopfens: Alphasäure sorgt für den charakteristischen Bittergeschmack, bremst das Wachstum von Bakterien im Bier (macht es also länger haltbar) und hält die Schaumkrone im Glas länger aufrecht. Sinkt der Alphasäuregehalt, muss in Zukunft mehr Hopfen angebaut werden, um Bier in gleichbleibender Qualität herzustellen. Wissenschaftler raten dazu, die Anbauflächen um etwa 20 % zu erweitern, um den klimabedingten Verlust an Qualität und Quantität aufzufangen. Bereits jetzt schwanken Qualität, Erntemenge und Preise Jahr zu Jahr extrem. Noch dazu verändert Trockenheit die Zusammensetzung der Bitter- und Aromastoffe im Hopfen.
Auch die Gerste gerät aus dem Takt
Nicht nur der Hopfen kämpft mit Hitze und Trockenheit, sondern auch die Gerste. In sehr heißen und trockenen Jahren verändert sich die Struktur der Stärke in den Gerstenkörnern, was zu Problemen im Mälzungs- und Brauprozess führt. Die Stärkequalität ist ein wesentliches Kriterium für die Verarbeitbarkeit von Braugerste, denn ihre physikalischen und chemischen Eigenschaften wirken sich direkt auf den Verzuckerungsprozess bei der Bierherstellung aus. Verschieben sich noch dazu die Niederschläge, schwankt auch die Menge der Gerstenernte.


