Ein Beruf mit Geschichte – und Zukunft
Früher waren Mühlen Handwerksbetriebe in Familienhand, ausgestattet mit Wasserrad oder Windflügeln. In einigen Mühlen wurde Mehl gemahlen, andere Mühlen wurden zur Bearbeitung von Materialien wie zum Sägen von Holz genutzt. Müller waren und sind bis heute unverzichtbar. Denn auch wenn man heute kaum noch einen Menschen in weißer Arbeitskleidung mit Mehlsack über der Schulter durchs Dorf laufen sieht, ist der Beruf alles andere als ausgestorben. Heute sind Mühlen hochtechnisierte Industriebetriebe. Müller arbeiten mittlerweile zwar vor allem an großen, Computer-gesteuerten Maschinen, stellen aber nach wie vor etwas sehr Wertvolles her: die Grundlage für unsere täglichen Lebensmittel.
Die Müllerzunft gehört zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO – und das, obwohl der Beruf im Mittelalter sogar als ehrlos galt. Insbesondere Bauern hielten Müller für Betrüger, obwohl sie nicht mehr betrogen als andere Handwerkszünfte.
Müller mahlen nicht nur Getreide wie Weizen und Roggen zu Mehl, sondern verarbeiten auch Mais, Hafer, Dinkel, Gewürze oder sogar Ölsaaten – je nach Spezialisierung der Mühle. In Futtermittelmühlen wird Tierfutter hergestellt, in Schälmühlen werden unter anderem Haferflocken verarbeitet, in Gewürzmühlen stellen Müller feine Gewürzpulver her und in Ölmühlen werden hochwertige Pflanzenöle gepresst.
Der Arbeitsalltag eines Müllers
Moderne Mühlen bestehen aus Produktions- und Lagerräumen, Silos und manchmal auch Laboreinrichtungen. Die Rohstoffe – meistens Getreide – werden bei der Anlieferung gründlich geprüft. Dazu gehört auch das Entnehmen von Proben, die entweder direkt im eigenen Labor oder extern untersucht werden. Erst dann folgen die Annahme, Reinigung und Lagerung der Rohstoffe. Sobald der Rohstoff verarbeitet werden soll, kommt er über ein Rohrleitungssystem aus dem Silo zur Mahlanlage. Hier wird die Anlage individuell auf den Rohstoff und das jeweilige Endprodukt eingestellt und die gesamte Produktion am Monitor überwacht. Am Ende werden die fertigen Produkte in Silos eingelagert und später in kleine Haushaltsmengen, 25 kg-Säcke, 1000 kg schwere BigBags oder direkt in große Silofahrzeuge abgefüllt.
Der Beruf des Müllers ist trotz maschineller Unterstützung körperlich fordernd und die Arbeit erfolgt oft in Schichten. Dafür ist sie aber abwechslungsreich, wichtig für uns alle und bringt einige Verantwortung mit sich. Denn der Müller ist nicht nur für den Produktionsprozess zuständig, sondern auch für die Qualitätssicherung, Hygieneüberwachung, Instandhaltung der Technik und manchmal sogar für den Vertrieb.


