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Stachelige Schale, köstlicher Kern

Esskastanien haben jetzt Saison

Kennst Du auch diesen unwiderstehlichen würzig-süßen Duft, wenn auf dem Weihnachtsmarkt die Esskastanien geröstet werden? Die warmen Nüsse sind an kalten Tagen eine richtige Wohltat und waren früher sogar ein überlebenswichtiges Grundnahrungsmittel für den Winter. Kein Wunder, dass die Esskastanie 2018 zum Baum des Jahres gekürt wurde: Sie hat noch einiges mehr zu bieten als ihr köstliches Aroma.

Mit der Rosskastanie, die Du aus Parks und von Kastanienalleen kennst, ist die Esskastanie trotz des ähnlichen Namens nicht verwandt. Entsprechend ungenießbar sind die Früchte der Rosskastanie, während die der Esskastanie ein leckerer Snack sind – bei uns, aber auch bei Eichhörnchen, Siebenschläfern, Krähen und Hähern, die sie als Wintervorrat verstecken und manchmal vergessen, sodass im Frühling neue Esskastanien-Bäumchen keimen können.

Sowohl Esskastanien als auch Rosskastanien sind von einer stacheligen Hülle umgeben. Bei der Esskastanie sind die Stacheln an dem sogenannten Fruchtbecher zunächst grün, färben sich zur Reife gelbbraun und bleiben dabei aber deutlich weicher als die der Rosskastanie. Sind die Esskastanien im Oktober und November reif, öffnet sich der Becher von selbst und gibt ein bis drei glänzend dunkelbraune Nüsse frei.

Die Marone ist eine Zuchtform der Esskastanie. Sie ist etwas größer, süßer und nussiger.

Ein Baum mit wechselhafter Geschichte …

Dass die Esskastanie bei uns vor allem als hübscher Alleebaum gilt, wird ihrer Geschichte kaum gerecht. Schon in der Antike wurde sie im gesamten Mittelmeerraum und den nördlich angrenzenden Gebieten angebaut und rege gehandelt. In Sparta stellte man aus den Nüssen Brot, Mehl und Suppen her. Im frühen Mittelalter galt die Esskastanie sogar als Grundnahrungsmittel: In Berggebieten Südeuropas mit nur geringem Getreideanbau war sie die wichtigste Kohlenhydratquelle. Ein bis zwei ausgewachsene Bäume reichten, um eine erwachsene Person ein ganzes Jahr lang zu ernähren. Gerade im harten Winter war sie als kalorienreiche Dauernahrung unverzichtbar.

Gegen Ende des Mittelalters wendete sich allerdings das Blatt: Man brachte Kastanien plötzlich unter anderem mit schlechter Verdauung, Blähungen und Kopfschmerzen in Verbindung. Das einstige Grundnahrungsmittel galt von nun an als Essen für niedrige, arbeitende Stände – und für Schweine.

Nach Mitteleuropa kam die Esskastanie erst um 1600. Hier war sie eher keine Nahrungsquelle, sondern vor allem ein beliebter Allee- und Parkbaum. Währenddessen wuchsen im Süden und Westen Europas die Anbauflächen trotz des schwindenden Ansehens bis ins 18. Jahrhundert weiter. Die Industrialisierung und die beginnende Landflucht im 19. Jahrhundert sowie die Tintenkrankheit und zunehmende Entwaldung ließen den Anbau einbrechen. Im 20. Jahrhundert setzte der Kastanienrindenkrebs den Beständen weiter zu, von dem sie sich bis heute nur langsam erholen.

Auf den Spuren der Haselnuss

Haselnüsse dürfen in der Weihnachtszeit auf keiner festlich gedeckten Tafel fehlen. Sie gehören seit jeher zu den Gaben vom heiligen Nikolaus und schmückten früher zusammen mit Äpfeln den Weihnachtsbaum, denn Haselnusssträucher wuchsen früher in jedem Garten. Die reifen Nüsse waren eine wichtige Versorgung im langen, kalten Winter – und angeblich sollte der Strauch sogar das Böse von Mensch und Hof fernhalten.

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… und vielversprechender Zukunft

Damit die Bäume zuverlässig reife Früchte tragen, brauchen sie eine gewisse Wärmemenge im Jahr, weshalb es unzählige, oft nur lokal verbreitete Sorten gibt, die sich über Generationen perfekt an ihr jeweiliges Klima angepasst haben. Allein in Frankreich gibt es mehr als 700 Esskastaniensorten.
In Deutschland wächst die Esskastanie heute vor allem dort, wo auch Wein angebaut wird: in der Pfalz nahe Saar und Mosel, im Schwarz- und Odenwald, am unteren Main und im Taunus. Winzer wissen die Esskastanie sehr zu schätzen, denn das Holz der Esskastanie hat einen sehr hohen Tanningehalt. Tannine sind Gerbstoffe, die das Holz extrem widerstandsfähig gegen Fäulnis machen. Deshalb werden seit Jahrhunderten Pfosten für den Weinbau gern aus Esskastanienholz gefertigt. Das Holz ist genauso haltbar wie Eichenholz, wächst aber schneller und ist leichter zu verarbeiten.

Bei uns in Thüringen spielt die Esskastanie bislang nur eine Nebenrolle: Im Wald findest Du sie bisher kaum, eher einzeln an Waldwegen oder in Parks und Gärten. Das könnte sich aber ändern: Bei der Aufforstung des Thüringer Staatswaldes werden inzwischen auch Esskastanien gepflanzt, denn sie gilt als echter Baum der Zukunft, da sie Hitze und trockene Böden erstaunlich gut verträgt. Nur auf Spätfröste reagiert sie ziemlich empfindlich. Wie wohl sich die Esskastanie in unseren Breiten fühlt, untersucht der Thüringer Forst momentan gemeinsam mit anderen Bundesländern: Genanalysen, Wuchsleistungsbeurteilungen, Schädlingsbefall und passende Bewirtschaftungsweisen stehen dabei besonders im Fokus.

Die Esskastanie in Zahlen

🪲 1.000 Käferarten wurden auf einzelnen Esskastanien-Bäumen nachgewiesen.
🌳 15 bis 25 Meter wird die Esskastanie im Durchschnitt hoch, manchmal schafft sie sogar 35 Meter.
⌛ 500 Jahre wird eine Esskastanie in West- und Südeuropa im alt. Mit etwas Glück sind es sogar 1.000 Jahre. Bei uns schafft sie eher um die 200 Jahre.
🧓 2.000 Jahre alt die älteste bekannte Esskastanie. Sie steht auf Sizilien und hat einen Stammumfang von 50 Metern.

So lagerst Du Esskastanien richtig

Satt machen die Esskastanien vor allem durch einen hohen Anteil an Kohlenhydraten in Form von Stärke und Zucker. Dafür haben sie einen sehr niedrigen Fettgehalt. Dieser sorgt allerdings dafür, dass Esskastanien ziemlich schnell verderben können. In der Schale halten sich Esskastanien im Kühlschrank zumindest einige Wochen. Gekocht oder geröstet solltest Du sie dagegen innerhalb von ein, zwei Tagen aufbrauchen. Alternativ kannst Du Esskastanien auch einfrieren beziehungsweise vakuumieren, dann halten sie deutlich länger.

Bevor Du Esskastanien zubereiten möchtest, raten wir Dir, die Schale der Nüsse gründlich zu inspizieren: Sie sollte schön glänzen, fest sein und weder Löcher noch Risse haben. Matte oder sehr leichte Exemplare sind meist schon älter und ausgetrocknet. Ein kleiner Trick für zuhause hilft ebenfalls bei der Beurteilung der Frisch: Frische Esskastanien sinken in lauwarmem Wasser nach unten, alte schwimmen oben.

Falls Du außerhalb der Saison Lust auf Esskastanien bekommst: Vorgegart und geschält gibt es sie in Dosen oder vakuumiert zu kaufen.

Esskastanien zubereiten: rösten, kochen oder doch pürieren?

Zum Rösten bürstest Du die Schale erst grob sauber und schneidest sie dann kreuzförmig gründlich ein. Es ist wichtig, dass Du dabei wirklich bis zur Nuss einschneidest, sonst können die Nüsse im Ofen platzen!

Mit dem Einschnitt nach oben kommen die Esskastanien dann für 15 bis 20 Minuten bei 180 bis 200° C Ober-/Unterhitze in den vorgeheizten Ofen, bis sich die Schale sichtbar nach außen biegt. Nach einer kurzen Abkühlpause schälst Du die Esskastanien am besten warm. Zusammen mit der Schale wird auch die pelzige Haut entfernt. Löst sie sich noch nicht von allein, kannst Du die Esskastanien einfach ein paar Minuten zurück in den Ofen legen. Wir raten Dir auch dazu, sie vor dem Einschneiden in Wasser einzuweichen. So lassen sich die Esskastanien nicht nur leichter schneiden und schälen, sie bleiben beim Rösten auch saftiger.

Anstatt die Esskastanien zu rösten, kannst Du sie alternativ 20 Minuten in leicht gesalzenem Wasser kochen. Dadurch werden sie weicher und lassen sich zum Beispiel für Pürees leichter verarbeiten. Am intensivsten bleibt das köstliche Aroma allerdings beim Rösten erhalten: So schmecken sie wirklich fantastisch zart, süßlich, nussig und ein wenig mehlig.

In Frankreich landen Esskastanien gekocht oder geröstet oft einfach als Beilage auf dem Teller. Bei uns kennst Du sie vermutlich vor allem als duftende heiße Maronen vom Weihnachtsmarkt. Dabei können Esskastanien noch viel mehr: Es gibt sie als Püree oder Creme, kandiert, gemahlen (zum Beispiel als Grundlage für glutenfreies Brot und Gebäck) und als Likör. Für das Püree werden geschälte Esskastanien leicht mit Butter und Zucker karamellisiert, mit Milch und Gemüsebrühe püriert und mit Salz, Pfeffer und Muskat abgeschmeckt. Für die süße Creme werden geschälte und gehackte Kastanien etwa 30 Minuten mit Milch, Zucker, Zimt und Vanillemark gekocht, anschließend püriert und dann abgekühlt mit geschlagener Sahne vermengt. Köstlich!

Walnüsse haben jetzt Saison

Wenn die ersten Walnüsse mit aufgeplatzter, schwarzer Schale im Gras liegen, ist Erntezeit! Dass die von außen eher unscheinbare Nuss mal Königen vorbehalten war, wissen die wenigsten. Und dass es in Mühlhausen eine ganz eigene, würfelförmige Sorte gibt, erst recht nicht!

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