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Zukunft aus der Hülse

Wie Bohnen, Linsen & Co. unsere Ernährung verändern

Bohnen, Erbsen, Linsen – was heute als vegane Proteinbombe gefeiert wird, war schon in der Steinzeit hoch im Kurs. Hülsenfrüchte gehören zu den ältesten Kulturpflanzen überhaupt und bildeten in der Antike sogar eines der wichtigsten Standbeine der Landwirtschaft. Später galten sie als Arme-Leute-Essen, doch mittlerweile feiern sie ihr Comeback als Klimaretter, pflanzliche Eiweißquelle und kulinarisches Multitalent der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Vom Acker auf den Teller

Was Hülsenfrüchte so besonders macht, zeigt sich schon beim Anbau. Sie haben an ihren Wurzeln kleine Knöllchenbakterien, die Stickstoff aus der Luft binden. Dadurch brauchen die Pflanzen keinen Dünger und sammeln sogar mehr Stickstoff, als sie selbst verbrauchen. Der Rest bleibt im Boden gespeichert und versorgt dort später wachsende Pflanzen wie Getreide. Hülsenfrüchte leisten damit einen wichtigen Beitrag für die Bodenfruchtbarkeit, Biodiversität und den Klimaschutz. Außerdem erzielen sie hohe Erträge selbst auf kleinen Flächen und kargen Böden – und könnten entscheidend dazu beitragen, den Verbrauch tierischer Produkte zu senken.

Pro Jahr werden bisher weltweit rund 150 Millionen Tonnen Hülsenfrüchte geerntet – Tendenz steigend. In Deutschland wachsen Hülsenfrüchte bisher nur auf 1,5 % der Ackerfläche. Etwa 90 % der hier verarbeiteten Hülsenfrüchte werden importiert. Das soll sich jedoch ändern: Die Deutsche Eiweißpflanzen-Strategie fördert den Anbau von Sojabohnen, Erbsen, Ackerbohnen und Lupinen in Deutschland und Europa. Bis 2030 soll die Anbaufläche von Hülsenfrüchten in Deutschland auf 10 % der gesamten Ackerfläche steigen.

Die Ernte von frischen Bohnen oder Erbsen läuft mit vollautomatischen Erntefahrzeugen. Danach werden sie im Betrieb sofort gewaschen, sortiert und verpackt – das dauert keine 24 Stunden! Tiefkühlgemüse wird nach der Ernte noch blanchiert (zerstört Keime, schont Vitamine und bewahrt die Farbe) und schockgefrostet (Zellwände bleiben intakt und Nährstoffe erhalten).

Kleine Kraftpakete

Hülsenfrüchte machen schnell und lange satt – kein Wunder bei einem Proteingehalt von 17 bis 38 %, der ohne Probleme an den von Fleisch heranreicht. Gerade für vegetarische und vegane Ernährung sind sie deshalb unverzichtbar. Dazu kommen jede Menge Mineralstoffe, Vitamine, sekundäre Pflanzenstoffe und Ballaststoffe. Sie wirken cholesterinsenkend und sollen vorbeugend gegen Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes helfen. Deshalb wird empfohlen, mindestens ein bis zwei Mal pro Woche Hülsenfrüchte zu essen. In Deutschland essen wir bisher pro Person aber nur etwa ein Kilo Hülsenfrüchte im Jahr! Und dass, obwohl sie kombiniert mit Getreide wie Mais, Reis oder Pasta sogar eine besonders hohe biologische Wertigkeit erreichen.

Die Familie der im Fachjargon genannten Leguminosen ist riesig: Bis zu 20.000 Sorten gibt es weltweit, die meisten davon sind essbar. Zu den Hülsenfrüchten zählen nicht nur Bohnen und Erbsen, sondern auch Linsen, Kichererbsen, Lupinen, Wicken – und sogar Erdnüsse! Die haben zwar die „Nuss“ im Namen, dürfen sich aber trotzdem zu den Hülsenfrüchten zählen, weil echte Nüsse nur einen einzelnen Samen haben. Die Erdnuss kommt dagegen mit zwei bis vier Samen daher.

Ein Grund, warum einige doch lieber auf Hülsenfrüchte verzichten: Blähungen. Hülsenfrüchte enthalten unverdauliche Kohlenhydrate, die Darmbeschwerden auslösen können. Aber keine Sorge: Je mehr die Hülsenfrüchte verarbeitet werden – durch Kochen, Einweichen, Zerkleinern etc. –, desto weniger lösen sie Blähungen aus. Außerdem hilft es, getrocknete Hülsenfrüchte vor dem Kochen mindestens acht Stunden (besser zwölf, aber nicht mehr als 18 Stunden) einzuweichen. Längere Einweichzeiten erhöhen die Enzymaktivität, beginnen die Keimung und sorgen so für bessere Bekömmlichkeit. Außerdem nimmt das Einweichwasser bereits einige Stoffe auf, die zu Blähungen führen können. Gieße es deswegen nach der Einweichzeit weg und verwende es nicht zum Kochen der Hülsenfrüchte. Beim Kochen machen Gewürze wie Kümmel, Fenchel, Koriander, Majoran, Bohnenkraut und Rosmarin Hülsenfrüchte noch bekömmlicher.

Ein Speiseplan für die ganze Welt

Wie können wir uns in 30 Jahren ernähren, ohne den Planeten an seine Grenzen zu bringen? Eine internationale Kommission möchte die Ernährung weltweit dahingehend ändern, dass alle satt werden und gleichzeitig die Erde nicht über ihre Grenzen ausgebeutet wird. Die Lösung dafür soll die von der Kommission entwickelte Planetary Health Diet sein.

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Mehr als nur eine Beilage

Hülsenfrüchte können auf verschiedenste Arten verarbeitet werden. Für Konserven werden Hülsenfrüchte nach der Ernte gewaschen, blanchiert und zusammen mit Flüssigkeit in Dosen oder Gläser abgefüllt. Anschließend werden die Konserven luftdicht verschlossen, sterilisiert und schnell abgekühlt.

Für Trocken-Hülsenfrüchte werden die vollreifen, trockenen Samen mit dem Mähdrescher geerntet, der die Samen direkt vom Kraut trennt. Danach geht es gegebenenfalls weiter in Silos oder Wärmeschränke zum Nachtrocknen, denn Hülsenfrüchte dürfen nicht mehr als 16 % Restfeuchte enthalten, sonst werden sie muffig oder schimmeln. Anschließend folgt die vollautomatische Reinigung, Sortierung, gegebenenfalls das Schälen und Schutz vor Schädlingen mit Gas oder Hochdruck.

Aus Hülsenfrüchten entstehen aber längst nicht nur Dosen- oder Trockenware. Aus Sojabohnen wird zum Beispiel Tofu hergestellt. Dafür werden die Sojabohnen eingeweicht, gemahlen, aufgekocht und abgesiebt. Dann wird die Flüssigkeit mit einem Gerinnungsmittel gepresst, zu Blöcken geschnitten und gegebenenfalls über Buchenholzspänen geräuchert. Der Presskuchen, der bei der Herstellung von Sojaöl übrig bleibt, wird wiederum zu Sojamehl – die Basis für Sojaschnetzel oder -granulat. Und Tempeh entsteht, indem gekochte Sojabohnen mit Pilzkulturen geimpft und fermentiert werden. Die entstandene feste Masse wird zum Schluss pasteurisiert und getrocknet.

Die Geschichte der Konservendose

Die Konservendose hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich: Aus der Trendverpackung der 50er Jahre, die dank Ölsardinen, Dosenananas und Corned Beef jeden bürgerlichen Abendbrottisch zierte, wurde ein Ladenhüter – bis Corona kam.
Doch wie kam es eigentlich zu ihrer Erfindung? Am 25. August 1810 erhielt der britische Geschäftsmann Peter Durand das Patent für die Konserve. Dem vorausgegangen waren Plünderungen, 12.000 Goldfrancs und ein Pariser Zuckerbäcker.

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Die Geschichte der Konservendose

Auch Fleisch-, Wurst-, Käse-, Fisch- und Eieralternativen basieren oft auf isoliertem Eiweiß aus Hülsenfrüchten. Gemüsesaft sorgt dabei für die Farbe, während Pflanzenöl, Hefeextrakt, Bindemittel, Gewürze und Aromen für Textur und Geschmack sorgen. Für Milchalternativen werden Hülsenfrüchte eingeweicht, zerkleinert, filtriert und ultrahocherhitzt. Mit Milchsäurebakterien und Wärme entsteht daraus sogar pflanzlicher Joghurt. Nudeln und Reis werden stattdessen aus Mehl aus Hülsenfrüchten hergestellt, das mit Wasser zu Teig verarbeitet, geformt und getrocknet wird. Die Hülsenfrucht-Nudeln oder der Reis daraus dürfen nur schwach köcheln und werden schneller weich als Pasta aus Hartweizen. Mittlerweile gibt es sogar Chips und Snacks auf Basis von Hülsenfrucht-Mehl, die teils sogar weniger fettig sind als normale Kartoffelchips.

Thüringer Projekte arbeiten bereits an Futtermitteln aus einheimischen Hülsenfrüchten als Ersatz für Import-Soja sowie an Fleischersatzprodukten aus regionalen Hülsenfrüchten.

Hülsenfrüchte richtig zubereiten

Getrocknete Erbsen, ungeschälte Tellerlinsen, Kichererbsen und Bohnen sollten vor dem Kochen mindestens acht Stunden in der dreifachen Menge Wasser einweichen. Danach gießt Du sie durch ein Sieb und spülst sie unter fließendem Wasser gründlich ab. Linsen und geschälte Erbsen brauchst Du in der Regel nicht einweichen, denn sie kochen sehr schnell.

Hülsenfrüchte dürfen nur gekocht gegessen werden (Zuckererbsen und Erdnüsse ausgenommen)! Die natürlichen Schutzstoffe der Pflanze werden durch die Hitze zerstört, könnten sonst aber die Darmzellen angreifen. Beim Kochen von Hülsenfrüchten werden Proteine ins Wasser abgegeben, was zu einer ziemlich starken Schaumbildung führen kann. Hülsenfrüchte können dadurch schnell überkochen, behalte sie deshalb gerade am Anfang der Kochzeit gut im Blick. Mit etwas Natron im Kochwasser werden die Hülsenfrüchte schneller weich – ideal für Suppen oder Pürees. Säure wie Essig oder Zitronensaft sorgt hingegen dafür, dass sie fester bleiben – perfekt, wenn die Hülsenfrüchte noch Biss haben sollen.

Gekochte Hülsenfrüchte kannst Du problemlos einfrieren, sobald sie abgekühlt sind. Im Gefrierschrank halten sie sich bis zu zwei Monate. Danach können sie allerdings eine weichere Textur haben.

Bohnen im Glas, aber in süß!

Vegane Aufstriche sind mittlerweile keine Neuheit mehr, doch Nabio hebt sie immer wieder auf ein neues Level: Die vier süßen Bohnen-Aufstriche sind ein gesunder Ersatz für die klassischen, oft überzuckerten und fettigen Brotaufstriche – und können vor allem so viel mehr, als nur auf einer Scheibe Brot zu landen!

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Hülsenfrüchte im Portrait

Linsen

Linsen wurden schon vor 9.000 Jahren im Iran angebaut und waren ein Grundnahrungsmittel im Alten Ägypten. Seit jeher sind sie wichtiger Eiweißlieferant – vor allem für ärmere Bevölkerungsschichten. Heute werden sie vor allem in Indien, aber auch in Kanada, Australien und der Türkei angebaut. Die Ernte ist aufwendig: In jeder Schote stecken nur zwei Linsen und die Pflanzen brauchen andere Gewächse als Stütze. Trotzdem lohnt es sich, denn Linsen haben die höchste Nährstoffdichte von allen Hülsenfrüchten!

  • Rote Linsen sind meist bereits geschält, leichter verdaulich und garen schnell. Sie eignen sich gut für sämige Suppen, Pürees, Brotaufstriche oder Bratlinge.
  • Gelbe Linsen ähneln roten Linsen sehr stark, schmecken aber weniger mehlig und nehmen Gewürze etwas besser auf.
  • Berglinsen sind rund, grün-braun und schmecken würzig. Je nach Kochzeit behalten sie ihre Konsistenz oder zerfallen etwas – kürzer gekocht passen sie zu Linsensalat oder vegetarischer Bolognese, länger gekocht zu Linsensuppe.
  • Belugalinsen sind schwarz, rund, glänzend und bleiben nach dem Kochen fest. Perfekt für Salate oder als Beilage! Sie schmecken ein wenig wie Maronen und sind nach Beluga-Kaviar benannt.
  • Puy-Linsen sind eine edle Sorte aus Frankreich. Sie schmecken nussig, sind nach dem Kochen leicht bissfest und haben eine sehr dünne Hülle – schön in feinen Linsensalaten.
  • Braune Linsen (auch Tellerlinsen genannt) sind die typische Zutat für Linsensuppe oder Püree. Einweichen über Nacht verkürzt die Kochzeit und macht sie bekömmlicher. Beim Kochen platzt die harte Schale auf und das Gericht wird schön sämig.

Bohnen

Bohnen wurden schon 4000 v. Chr. in den Anden angebaut. Die Sortenvielfalt ist riesig – es gibt sie in verschiedensten Größen, Farben und Geschmacksrichtungen. In Deutschland werden vor allem frische Gartenbohnen geerntet, deutlich seltener Kernbohnen. Diese eignen sich getrocknet sehr gut für Suppen, Eintöpfe und Pürees.

  • Weiße Bohnen haben eine dünne Schale, einen hohen Stärkegehalt, kochen weich und mehlig und schmecken leicht süßlich.
  • Kidneybohnen haben eine kräftige rote Schale, einen mehligen Kern und einen relativ süßen Geschmack – perfekt für Salate oder scharfe Gerichte wie Chili con Carne.
  • Grüne Bohnen werden mitsamt Hülse als Ganzes verwendet, besonders früh geerntete heißen Prinzessbohnen.
  • Schnittbohnen haben flache Hülsen und große Samen – sie machen vor allem als Gemüsebeilage oder im Eintopf eine gute Figur.
  • Puffbohnen (auch Ackerbohnen genannt) sind große, blassgrüne Samenkerne in einer dicken Hülse.

Erfurter Puffbohnen

Im Mittelalter war sie eine der wichtigsten pflanzlichen Eiweißquellen, geriet dann hierzulande fast in Vergessenheit und wird heute als heiße Kandidatin für eine Soja-Alternative gehandelt: Die Rede ist von der Bohne mit den vielen Namen. Egal, ob Du sie Puffbohne, Ackerbohne, Fababohne oder Dicke Bohne nennst: Kaum ein anderes Gemüse enthält – neben allerhand Ballaststoffen, Vitaminen und Mineralstoffen – so viel Protein wie sie!

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Sojabohnen

Sojabohnen stammen aus China und wurden erst vor rund 200 Jahren außerhalb Asiens bekannt. Heute sind sie die meist angebaute Bohne weltweit, zwei Drittel aller Sojabohnen wachsen allein in den USA und Brasilien. In Brasilien werden große Regenwaldflächen abgeholzt, um dort Sojabohnen vor allem für Tierfutter anzubauen. Sojabohnen für Lebensmittel werden immer mehr auch in Europa angebaut. Da sie viel Wärme zum Wachsen brauchen, können sie erst seit kurzem in Deutschland angebaut werden – Grund ist der Klimawandel und neue kälteresistente Sorten.

Mit einem Eiweißgehalt von etwa 37 % sind Sojabohnen echte Proteinbomben! Besonders lecker: frische, unreife, grüne Sojabohnen. Sie werden Edamame genannt und können nach kurzem Blanchieren bereits gegessen werden.

Erbsen

Erbsen sind gelb oder grün und werden oft frisch (unreif) geerntet und oft in der Hülse verkauft. Ausgereifte Erbsen werden hingegen getrocknet und ohne Hülse verkauft. Je größer Erbsen sind, desto mehr Stärke enthalten sie.

  • Palerbsen werden ohne Hülse gegessen und schmecken durch den hohen Stärkeanteil mehlig.
  • Markerbsen werden ebenfalls ohne Hülse gegessen, sind aber nicht so rund wie Palerbsen und schmecken leicht süßlich.
  • Zuckererbsen werden mitsamt der Hülse gegessen, haben einen relativ hohen Zuckergehalt und schmecken leicht süßlich.

Süßlupinen

Süßlupinen wachsen vor allem in Australien. Schon in der Antike wurden sie als Futterpflanze und Gründünger angebaut. Heute sind sie abseits der Nutzung als Tierfutter noch ziemlich unbekannt, aber es gibt bereits Brotaufstriche, Milch- sowie Fleischersatzprodukte und Kaffeeersatz aus Lupinen, denn sie vereinen das Beste aller Hülsenfrüchte in sich: Lupinen haben einen sehr hohen Eiweißgehalt, ihr Fettgehalt ist geringer als der von Sojabohnen, sie haben sehr viele Ballaststoffe und einen ziemlich geringen Puringehalt. Außerdem ist Lupinenprotein geschmacksneutral und kann vielfältiger eingesetzt werden als zum Beispiel Soja-Eiweiß. Auch deshalb sind Lupinen sehr beliebt als Bestandteil glutenfreier Produkte. Traditionell werden die Samen übrigens gewässert und dann eingelegt als Snack gegessen.

In Mitteleuropa wachsen vor allem gelbe, blaue und weiße Lupinen. Sie unterscheiden sich hinsichtlich Standortanspruch, Inhaltsstoffe und Verwertungsmöglichkeiten.

Kichererbse: wärmeliebende Hülsenfrucht mit viel Potenzial

Sie schmecken leicht nussig, gehören zu den ältesten Nutzpflanzen der Welt, wurden schon von Hildegard von Bingen als Heilpflanze angepriesen und mögen es nicht nur warm, sondern auch trocken: Kichererbsen sind die Pflanzen der Zukunft!

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